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Erfolgreich mit modularen Produktplattformen - Das sollten Sie beachten

Von Ingo Bögemann

Das Produktportfolio eines Unternehmens muss die Wünsche und Anforderungen der Kunden hinreichend erfüllen. Nur so gelingt es, Marktanteile zu gewinnen und die Umsatzziele zu erreichen. Die Entwicklung, Fertigung und Vermarktung des eigenen Produktportfolios sind daher für jedes Unternehmen von zentraler Bedeutung. Viele Unternehmen setzen heutzutage für die Entwicklung und Fertigung ihrer Produkte auf modulare Produktarchitekturen.

Ein modulares Baukastensystem bietet Unternehmen eine Reihe von Vorteilen. Dazu gehören kürzere Entwicklungszeiten, größere Produktvarianz bei gleichzeitig reduzierter Komplexität und einer geringeren Anzahl an Komponeneten (Bauteile, Software, Service/Dienstleistungen), eine schnellere Abwicklung von Kundenaufträgen, geringere Materialkosten und eine gesteigerte Umsatzrendite.

Um die Potenziale eines modularen Produktportfolios voll ausschöpfen zu können, und sicherzustellen, dass sich der Aufwand und die Investitionen, die zur Entwicklung eines solchen Systems nötig sind, auch wirklich lohnen, braucht es ein ganzheitliches Management der modularen Produktplattformen. Die Herausforderung hierbei besteht darin, die Lücke zwischen unternehmensstrategischen Zielen und der produkttechnischen Umsetzung zu schließen.

In diesem Blog-Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre modularen Produktplattformen organisatorisch in Ihrem Unternehmen verankern und die notwendigen Strukturen schaffen, um diese effizient zu verwalten und die Profitabilität des Systems auf Dauer zu erhalten. Hierzu werden wir uns konkret drei Bausteine ansehen: die Verankerung der Unternehmensstrategie in den einzelnen Modulen, die Konfigurierbarkeit des Produktportfolios (insbesondere in Hinblick auf ein ganzheitliches Informationsmodell) und die passende Governance für eine effiziente Entscheidungsfindung.

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Unternehmensstrategie in der modularen Produktplattform verankern

Die Grundvoraussetzung, um modulare Produktplattformen erfolgreich über den Lebenszyklus zu steuern, besteht darin, eine Produktarchitektur zu schaffen, bei der die Unternehmensstrategie in den einzelnen Modulen des Baukastensystems verankert ist. Modularisierung ermöglicht es, Komplexität im Unternehmen zu optimieren, indem die Produktarchitektur in einem System von Modulen organisiert wird, welche so kombinierbar sind, dass die vom Kunden geforderte Variantenvielfalt produktseitig abgedeckt werden kann. Gleichzeitig wird die Zahl der für die Produktvielvalt notwendigen Bauteile, Software und Dienstleistungen für das gesamte Produktportfolio reduziert, sodass dieses insgesamt über den gesamten Plattform Lebenszyklus effizienter im Unternehmen (weiter)entwickelt, produziert und vermarket werden kann.

Um dies zu ermöglichen, muss jedem Modul die passende strategische Ausrichtung zugeordnet werden. Diese strategischen Ausrichtungen sind operative Exzellenz, Kundennähe und Produktführerschaft. Je besser es gelingt, diese strategischen Ziele bei der Strukturierung der modularen Produktarchitektur zu integrieren, desto mehr Vorteile lassen sich durch Modularisierung in der gesamten Wertschöpfungskette realisieren. Dazu gehören sowohl eine Vergrößerung der Marktanteile als auch Kostenersparnisse, die durch ein effizienteres Variantenmanagement erzielt werden. Notwendige Voraussetzungen sind ein gutes Verständnis des finanziellen Werts des Baukastensystems, eine strikte Kundenorientierung (Outside-In) und eine abteilungsübergreifende Herangehensweise.

Plattformmanagement-Strategie

Leseempfehlung: Mehr dazu, wie Sie Ihre Unternehmensstrategie in Ihrer modularen Produktarchitektur verankern, lesen Sie in unserem Blog-Artikel “Mehr als nur geometrische Module: Warum Strategie im Baukastensystem wichtig ist”.

Beim Aufbau einer modularen Produktplattform ist es also essentiell, sowohl die Kundenanforderungen als auch die unternehmensstrategischen Ziele zu berücksichtigen. Eine bewährte Methode zum Entwickeln von modularen Produktarchitekturen, die sowohl den Kunden- als auch den funktionalen Produktanforderungen entsprechen und gleichzeitig die strategischen Ziele des Unternehmens berücksichtigen, ist Modular Function Deployment® (MFD).

Um mit einer modularen Produktarchitektur echten Mehrwert für Ihr Unternehmen zu schaffen, genügt es nicht, die Produktarchitektur einmalig aufzubauen. Das Unternehmen muss außerdem in der Lage sein, die Architektur nach der Entwicklungs- und Implementierungsphase effizient zu verwalten und instand zu halten. Dazu bedarf es unter anderem eines einheitlichen Informationsmodells, welches die Konfigurierbarkeit der Produktarchitektur ermöglicht.

Leseempfehlung: Eine ausführliche Anleitung, wie Sie beim Aufbau Ihres modularen Baukastens vorgehen, liefert Ihnen unser Blog-Artikel “Modularisierung in 5 Schritten mit Modular Function Deployment®”.

Konfigurierbarkeit der modularen Produktarchitektur ermöglichen

Eine zweite Voraussetzung, die gegeben sein muss, um modulare Produktplattformen erfolgreich im Unternehmen zu verankern, ist die Konfigurierbarkeit des modularen Systems. Konfigurierbarkeit beschreibt die Eigenschaft der Produktarchitektur, entsprechend der Kundenanforderungen anpassbar zu sein. Zur Konfigurierbarkeit gehören:

  • Konfigurationsortientiertes Design: Die Produkte müssen so gestaltet sein, dass es möglich ist, Komponenten zu variieren, hinzuzufügen oder zu entfernen. Dies wird durch Modularität gewährleistet.
  • Konfigurierbare Lieferkette: Die Lieferkette muss in der Lage sein, die durch Modularisierung erreichte Flexibilität der Produkte zu unterstützen.
  • Einheitliches Informationsmodell: Die technische Dokumentation der Produkte muss Konfiguration ermöglichen und die verwendeten IT-Systeme müssen abteilungsübergreifend vernetzt sein, um einen reibungslosen Informationsaustausch zu gewährleisten.

 

Durchgängige Konfiguration braucht ein einheitliches Informationsmodell

Ein passendes Informationsmodell ist für die organisatorische Umsetzung einer modularen Produktplattform besonders wichtig. Es geht darum, eine gemeinsame Datengrundlage zu schaffen, indem Produkteigenschaften, technische Lösungen, Kundenbedarfe und weitere mit der Produktarchitektur in Verbindung stehende Informationen in einem zentralen Informationsmodell gebündelt werden, und eine nahtlose Verknüpfung mit anderen intern genutzten IT-Systemen (CPQ, PLM, PDM, ERP, etc.) herzustellen.

Dadurch wird es möglich, dass alle Abteilungen eine zentrale Informations- und Datenbasis verwenden, die über eine Schnittstelle mit den übrigen Systemen in der IT-Landschaft des Unternehmens synchronisiert und von allen Abteilungen gemeinsam gepflegt wird. In diesem Informationsmodell werden die Module zum zentralen Informationsträger. Ein abteilungsübergreifender Datenzugriff und eine systemübergreifende Harmonisierung der Daten bilden in diesem Kontext auch die Voraussetzung für End-to-End Konfiguration.

plattformmanagement-informationsmodell

Leseempfehlung: Mehr dazu, wie das passende Informationsmodell für Produktkonfiguration aussieht, lesen Sie in unserem separaten Blog-Artikel.

Die richtige Governance für Ihre modulare Produktplattform schaffen

Das im vorigen Abschnitt vorgestellte Informationsmodell liefert die Daten und Informationen, die für die effektive Verwaltung von modularen Produktplattformen notwendig sind. Das allein ist aber noch nicht ausreichend, um die Profitabilität der modularen Produktarchitektur auf Dauer zu gewährleisten. Vielmehr muss die Organisation ganzheitlich befähigt werden - es bedarf einer passenden Governance. Deshalb müssen in einem dritten Schritt die notwendigen organisatorischen Strukturen geschaffen werden. Hierzu zählen vier Kernbereiche:

  • Führung: Um modulare Plattformen erfolgreich zu managen, bedarf es der Unterstützung der obersten Führungsebene sowie einer festen Verankerung der modularen Produktarchitektur in der Unternehmensstrategie.
  • Prozesse & Werkzeuge: Das Verwalten des modularen Systems muss in die Kernprozesse des Unternehmens integriert und Prozesse abteilungsübergreifend gestaltet werden, inklusive der Datenverarbeitung.
  • Ressourcen & Fähigkeiten: Ohne eine klare Aufteilung der Verantwortlichkeiten (insbesondere in der Produktentwicklung) und ohne ein passendes Entscheidungsmodell für die Einführung neuer Produktvarianten kann eine modulare Produktarchitektur nicht erfolgreich verwaltet werden.
  • Kultur & Werte: Die Arbeit mit modularen Produktplattformen muss in der Unternehmenskultur verankert werden, damit alle Mitarbeiter den Wert der verfolgten Zielsetzung erkennen.

Plattformmanagement-Governance

Wie aus der Grafik hervorgeht, umfasst jeder dieser vier Kernbereiche noch einmal mehrere Einzelaspekte. Im Rahmen dieses Blog-Artikels wollen wir drei dieser Bereiche hervorheben. Die da wären: KPIs und Zielsetzungen, Rollen und Verantwortlichkeiten, und Entscheidungsmodell.

Leseempfehlung: Einen Überblick zum Thema Governance für modulare Baukastensysteme bietet Ihnen unser Blog-Artikel “Wieso Modularisierung ohne passende Governance nicht funktioniert”.

KPIs und Ziele festlegen

Um modulare Produktplattformen erfolgreich zu verwalten und die richtigen Entscheidungen zu treffen, bedarf passender KPIs, die individuell für jedes Unternehmen festgelegt werden müssen. Key Performance Indicator für modulare Systeme können neben der Profitabilität des Systems zum Beispiel der Anteil von Configure-to-Order an den Bestellungen, die erforderliche Time-to-market (TTM) für neue Produktentwicklungen oder die Gesamtanzahl der für die Produktarchitektur erforderlichen Teilenummern sein.

Leseempfehlung: Eine detaillierte Ausführung, mit welchen KPIs Sie den Erfolg Ihres modularen Systems messen können, bietet Ihnen unser Blog-Artikel “Modularisierung messen: KPIs für ein nachhaltiges Baukastensystem”.

Um die richtigen KPIs für das Unternehmen auswählen und realistische Ziele setzen zu können, ist es zentral zu verstehen, wie sich technische Entscheidungen hinsichtlich der Produktarchitektur finanziell auswirken, und wie die verschiedenen Kostentreiber zu evaluieren sind. Technische Entscheidungen bezüglich der Verwaltung und Entwicklung des modularen Systems sollten nicht nur die direkten Materialkosten, sondern auch indirekte Kosten im Blick haben. Zu den indirekten Kosten gehören in erster Linie versteckte Komplexitätskosten, die durch das interne Variantenmanagement entstehen.

Wie aus der nachfolgenden Grafik hervorgeht, nehmen die direkten Materialkosten mit einer steigenden Zahl an Produktvarianten ab. Gleichzeitig steigen jedoch die indirekten Kosten für das Variantenmanagement. Um kosteneffektiv zu bleiben, müssen Unternehmen das Optimum auf der Gesamtkostenkurve suchen, welches ihnen gleichzeitig Auskunft über die optimale Variantenanzahl gibt.

Plattformmanagement_Kosten_Varianten

Transparenz bezüglich der existierenden Komplexität und deren Einfluss auf die entstehenden Kosten ist die Voraussetzung für die erfolgreiche Steuerung einer modularen Produktarchitektur. Um zu überprüfen, ob die getroffenen Entscheidungen mit den gesetzten Zielen im Einklang steht, braucht es wiederum messbare Kennzahlen. Diese KPIs sollten in einem übersichtlichen Dashboard zusammengefasst sein, aus dem zu jedem Zeitpunkt abgelesen werden kann, ob die Produktarchitektur auch die gesetzten Unternehmensziele erfüllt. Dabei sollte sowohl der aktuelle Status als auch langfristige Trends abgebildet werden.

Plattformmanagement-KPIs

Leseempfehlung: Wie Sie die Profitabilität Ihrer modularen Produktarchitektur über die gesamte Lebensdauer hinweg aktiv steuern, lesen Sie in unserem Blog-Artikel zum Thema Profitabilität im Variantenmanagement.

Rollen und Verantwortlichkeiten definieren

Für eine effiziente Entscheidungsfindung bedarf einer klaren Verteilung der Rollen und Verantwortlichkeiten. Aufgabenbereiche und Kompetenzen müssen klar definiert sein, damit Entscheidungen möglichst schnell an der richtigen Stelle getroffen werden können. Für die Verwaltung eines modularen Systems sollte die Rollenverteilung im Team wie folgt aussehen:

 

  • Produktportfolio-Board: Entscheidung über Änderungen, die sich direkt auf die Struktur der modularen Produktarchitektur auswirken oder erhebliche Investitionen erfordern.
  • Produktmanager: Verantwortung für die Funktionalität, Profitabilität, Produkt-Roadmap etc. .
  • Architekturverantwortlicher: technische Verantwortung (Architektur, CAD-Modelle, Module, Schnittstellen etc.).
  • Konfigurationsmanager: Verantwortung für das Konfigurationsmodell und Umsetzung der geplanten Produktvarianten innerhalb des Modells.

Plattformmanagement-Team

Entscheidungsmodell implementieren

Die Zusammenarbeit der einzelnen Entscheidungsträger muss aber klar strukturiert sein. Dazu ist es wichtig zu definieren, wer welche Entscheidungskompetenzen hat, wenn es um Veränderungen der modularen Produktarchitektur geht. Solche Veränderungen können notwendig werden, wenn sich die Kundenanforderungen verändern oder neue, verbesserte Technologien verfügbar werden, deren Einsatz einen Mehrwert schaffen könnte.

Das unten dargestellte Entscheidungsmodell für die Verwaltung einer modularen Produktplattform gibt Auskunft über die folgenden entscheidungsrelevanten Aspekte:

  • Welche äußeren Faktoren erfordern Entscheidungen?
  • Welcher Entscheidungsträger ist für welche Entscheidungen bezüglich der modularen Produktplattformen zuständig?
  • Welche Informationen werden benötigt, um die jeweiligen Entscheidungen zu treffen?

Entscheidungen, die ausschließlich einzelne Module betreffen, können in der Regel auf einer niedrigen Ebene getroffen werden, da Modularität dafür sorgt, dass der Rest der Architektur hiervon nicht beeinflusst wird. Entscheidungen, die mit größeren finanziellen Aufwänden und Risiken verbunden sind, müssen hingegen auf der oberen Kompetenzebene getroffen werden.

Plattformmanagement-Entscheidungen

Modulare Produktarchitekturen erfolgreich verwalten: Eine Frage der Organisation

Für ein erfolgreiches Management modularer Produktplattformen im Unternehmen müssen drei Voraussetzungen gegeben sein. Zuerst muss eine modulare Produktarchitektur entwickelt werden, die zum einen die Wünsche und Erwartungen der Kunden bedient, und zum anderen die unternehmensstrategischen Ziele berücksichtigt. Eine zweite Voraussetzung ist die Konfigurierbarkeit der Architektur. Hier gilt es vor allem, ein abteilungsübergreifendes Informationsmodell zu schaffen, das alle notwendigen Informationen für alle Unternehmensfunktionen in einer eindeutigen Datenquelle bündelt und so eine effiziente Datenverwaltung ermöglicht. Der dritte und letzte Schritt zur organisatorischen Verankerung einer modularen Produktplattform ist die Schaffung entsprechender Governance-Strukturen. Nur wenn KPIs und Zielsetzungen sowie Rollen und Verantwortlichkeiten in Bezug auf die Verwaltung des Baukastensystems klar definiert sind und ein effizientes Entscheidungsmodell implementiert ist, kann diese erfolgreich umgesetzt und der Wert des Systems über lange Zeit erhalten werden.

Leseempfehlung: Wie beschrieben, ist das reibungslose Zusammenspiel von Informationsmodell, modularer Architektur und Konfiguration entscheidend für eine erfolgreiche Verwaltung modularer Produktplattformen. Die richtige Software-Lösung kann bei einer ganzheitlichen Umsetzung unterstützen. Lesen Sie in unserem Artikel “Mit dem richtigen Software-Tool schneller und besser zum modularen Baukasten”, wie dies im besten Fall funktioniert.

Für weiterführende Erklärungen und Illustrationen, wie Sie für ein erfolgreiches Management Ihrer modularen Produktplattformen am besten vorgehen, empfehlen wir Ihnen unser Webinar “Bereit für disruptive Veränderungen” mit Modular Management Geschäftsführer Markus Lotz. Die Aufzeichnung des Webinars können Sie sich hier kostenlos herunterladen.

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